Der Abstammungsnachweis (Stammbaum oder Pedigree) enthält den möglichst lückenlosen Nachweis über die Vorfahren eines Rassehundewelpen.
In allen seriösen und anerkannten Rassehundezuchtvereinen werden Zuchtbüchter geführt, in welche alle geborenen Welpen der Mitglieder samt Zwingernamen eingetragen werden - damit sind nicht nur die Elterntiere registriert, sondern auch die Reinrassigkeit der Welpen ist nachvollziehbar.
Eine Ahnentafel ist der Auszug aus dem Geburtsregister, also nichts anderes als der Auszug aus dem Zuchtbuch eines anerkannten Rassehundezuchtvereines. Damit ein Welpe überhaupt eine anerkannte Ahnentafel erhalten kann, muss der Züchter bestimme Auflagen erfüllen und sämtliche Zuchtbestimmungen einhalten, die von dem Rassehundzuchtverein, in dem er Mitglied ist, vorgegeben werden.
Was bedeutet "echte Papiere"?
In der Schweiz, dass die Ahnentafel des Hundes musst mit den Emblem der American Rare Breed Association (ARBA), American Kennel Club (AKC), Canadian Kennel Club (CKC), Kennel Club (KC) oder United Kennel Club (UKC) versehen.
Eine Ahnentafel mit dem Signet der ARBA, AKC, CKC, UK oder UKC garantiert zwar, dass der Züchter sich an eine strenge Zuchtordnung hält, seine Zucht abgenommen wurde und kontrolliert wird, dass die Würfe protokolliert und besichtigt werden, dies stellt jedoch den Hundekäufer nicht davon frei, den Züchter seines zukünftigen Welpen, unter den Gesichtspunkten der Züchterethik sorfältig auszusuchen.
Mit oder ohne „Papiere“ ?
Bei Hunden hat man die Auswahl zwischen Jungtieren mit oder ohne „Papiere“. Damit sind die Ahnentafeln bzw. Abstammungsnachweise oder Stammbäume der Tiere gemeint. Als Hundezüchterin stellt man mir recht oft die Frage, ob auch Welpen ohne Papiere zu haben sind. Die seien schließlich viel billiger und man wolle ja nicht züchten und ausstellen, sondern nur einen Hund zum Liebhaben kaufen. Viele Käufer denken, es handele sich dabei um eine reine Prestigefrage. Doch das ist ein verhängnisvoller Irrtum.
Die Abstammungspapiere dokumentieren eine lückenlose Reihe von Vorfahren. Die Ahnen des Tieres wurden allesamt von ausgebildeten Spezialisten, den so genannten Zuchtrichtern oder von einer Körkommission für zuchttauglich befunden. Das heißt, die Anatomie und das Wesen dieser Tiere lässt darauf schließen, dass sie der Aufzucht von Jungen gewachsen sind und ihre guten Eigenschaften an ihre Nachkommen weitergeben werden. Als Beurteilungskriterium dient der Rassestandard der jeweiligen Rasse. Um diese Beurteilung zu bekommen, müssen die Tiere zu einer Zuchtprüfung oder Körung gebracht werden und teilweise vorher schon diverse Vorbereitungen absolviert haben. Dazu gehören oft Gesundheitsuntersuchungen und zum Teil auch genetische Tests. Manchmal sind vor der Zuchtprüfung mehrere Ausstellungen (Zuchtschauen) erfolgreich zu absolvieren oder Leistungsprüfungen zu bestehen. Tiere, die trotz Zuchttauglichkeit grobe Erbfehler an ihren Nachwuchs vererben, werden nachträglich von der Zucht ausgeschlossen.
Zuchtvoraussetzungen und Pflichten : offizieller Züchter und unseriöse so genannte „Züchter“ im Vergleich
Pflege der Tiere
Pflicht für offizielle Züchter? (Welpen mit Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Ja.
Pflicht für unseriöse so genannte „Züchter“ und „Welpen-Händler“ ? (Welpen ohne Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Nein. Eine Kontrolle des Pflegezustandes erfolgt nicht. So können Ihnen bei nicht organisierten oder Massenzüchtern ausgesprochen bemitleidenswerte geschöpfte begegnen, die mit Sicherheit in ihrem Leben noch keine Pflege gesehen haben.
Schaffung geeigneter, kontrollierter Haltungsbedingungen zur gesunden Aufzucht des Nachwuchses.
Pflicht für offizielle Züchter? (Welpen mit Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Ja.
Pflicht für unseriöse so genannte „Züchter“ und „Welpen-Händler“ ? (Welpen ohne Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Nein.
Einhaltung von Hygienestandards
Pflicht für offizielle Züchter? (Welpen mit Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Ja. Bei Besichtigungen der Zuchtanlage und Wurfabnahmen werden die hygienischen Verhältnisse kontrolliert.
Pflicht für unseriöse so genannte „Züchter“ und „Welpen-Händler“ ? (Welpen ohne Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Nein. Es bleibt dem „Züchtern“ überlassen, ob er seine Hunde unter hygienisch einwandfreien Bedingungen hält. In vielen Fällen bekommt man katastrophale Haltungsbedingungen zu sehen. Kaufen Sie kein Tier aus solchen Verhältnissen.
Einhaltung einer Mindestgröße für Aufzuchträume und Ausläufe.
Pflicht für offizielle Züchter? (Welpen mit Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Ja. In den Zuchtverbänden gibt es strenge Vorschriften für die Mindestgröße und Ausstattung der Räumlichkeiten und Zuchtanlagen. Diese sind so angelegt, dass die jeweilige Rasse darin gut gehalten werden kann.
Pflicht für unseriöse so genannte „Züchter“ und „Welpen-Händler“ ? (Welpen ohne Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Nein. Es obliegt dem „Züchter“ selbst, ob er entsprechende Aufzuchträume und Ausläufe einrichtet. Gerade in Massenzuchtanstalten müssen sich oft viele Hunde kleine, schmutzige Boxen teilen und sehen zum Teil nie Tageslicht, weil sie der Einfachheit halber in Scheunen, Kellern und ähnlichen Gebäuden gehalten werden. Ein trauriges Los, dass Sie nicht durch einen Mitleidskauf unterstützen sollten!
Gesundheitsvorsorge für alle Tiere der Zucht, incl. Impfungen, Entwurmungen, Parasitenbekämpfung etc..
Pflicht für offizielle Züchter? (Welpen mit Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Ja.
Pflicht für unseriöse so genannte „Züchter“ und „Welpen-Händler“ ? (Welpen ohne Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Nein. Da die teilweise recht teueren Impfungen etc. nicht vorgeschrieben sind, führen viele nicht unseriöse so genannte „Züchter“ sie nicht durch. Teilweise bekommt man Hunde mit gefälschten Impfausweisen. Aufpassen !
Veterinärmedizinische Untersuchungen auf Erbkrankheiten, ggf. Gentests, zur Erhaltung der Gesundheit der Rasse (für Havaneser : PRA, Progressive Retina Atrophie des Auges und PL, Patellaluxation).
Pflicht für offizielle Züchter? (Welpen mit Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Ja. Offizielle Züchter lassen an ihren Hunden die erforderlichen Tests durchführen, bevor diese zur Zucht eingesetzt werden. Betroffene oder genetisch belastete Hunde werden nicht zur Zucht eingesetzt. Diese Maßnahmen verbessern die Rassegesundheit.
Pflicht für unseriöse so genannte „Züchter“ und „Welpen-Händler“ ? (Welpen ohne Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Nein. Diese Untersuchungen sind sehr sinnvoll, aber auch teuer. „Züchter“ "ohne" Papiere lassen solche Untersuchungen nicht durchführen oder züchten sogar mit Hunde, denen ein schlechter Befund bescheinigt wurde. Geben Sie acht, dass Sie Nachwuchs von gesunden Elterntieren kaufen und lassen Sie sich die Unterlagen der Tierkliniken zeigen. Sie laufen sonst große Gefahr, ein krankes Tier zu bekommen.
Zucht nur mit zuchttauglichen Hunden (Anatomie, Gesundheit, Wesen), Absolvierung von Zuchtprüfungen/Körungen
Pflicht für offizielle Züchter? (Welpen mit Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Ja.
Pflicht für unseriöse so genannte „Züchter“ und „Welpen-Händler“ ? (Welpen ohne Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Nein. Oft genug werden Tiere zur Zucht eingesetzt, die aus gewichtigen Gründen die Zuchtprüfung im Zuchtverband nicht bestanden haben. Das sollte jeden Käufer bedenklich stimmen, denn mangelhafte Eigenschaften vererben sich.
Begrenzung der Anzahl an Würfen bzw. Nachwuchs pro Muttertier und Einhaltung von sinnvollen Zuchtpausen
Pflicht für offizielle Züchter? (Welpen mit Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Ja.
Pflicht für unseriöse so genannte „Züchter“ und „Welpen-Händler“ ? (Welpen ohne Stammbaum-Papieren)
Pflicht? Nein. Oft werden die Hündinnen viel zu häufig zur Zucht eingesetzt und dabei gesundheitlich überstrapaziert. Solche Mütter bringen natürlich auch keinen robusten, kräftigen Nachwuchs.
Facts:
Jeder einzelne dieser Punkte dient nicht der Schikane und Kontrolle des offiziellen Züchters, sondern hat gesunden, anatomisch einwandfreien und wesenstarken Nachwuchs zum Ziel.
Nur in einem erstklassigen Umfeld können sich Welpen wunschgemäß entwickeln. Allein der Einsatz gesunder, anatomisch einwandfreier Eltern lässt auf ebensolchen Nachwuchs hoffen. Gut geschulte Züchter sind in der Lage, die Welpen so aufzuziehen und zu sozialisieren, wie sie es für ihr künftiges Leben brauchen. Alle diese Pflichten sind für den offiziellen Züchter mit einem enormen Aufwand an Zeit und Geld verbunden. Es ist ihm nicht möglich, seinen Nachwuchs zum Schnäppchenpreis zu vergeben.
Nicht offizielle „Züchter“, die annähernd den gleichen Aufwand betreiben wollen, stellen schnell fest, dass sie dann ihre Preise nach oben anpassen müssten. Dann wiederum fehlen die Abnehmer. Also wird gespart- an welchen Punkten auch immer. Oder aber die Quantität der Welpen muss es bringen. Aber unzureichende Elternhunde und schlecht versorgte Welpen sind nun mal die ersten Kandidaten für eine lange Tierarztrechnung oder den Tierpsychologen. Ihr Schnäppchen könnte am Ende sehr teuer werde!
Ihnen wird nun klar geworden sein, dass es bei „Züchtern ohne Papiere“ in der Regel nicht nur darum geht, die Klubkosten zu sparen, sondern man will sich einfach sehr viele notwendige Aufwendungen, sei es Zeit, Arbeit oder Geld, sparen und sich nicht dem strengen, sinnvollen Reglement eines Klubs unterwerfen.
Wodurch zeichnet sich ein guter Züchter aus?
· Die Zuchtstätte bzw. die Aufzuchträume sind hell, geräumig, mit fließend Wasser ausgestattet.
· Alle Räumlichkeiten sind hygienisch einwandfrei und sauber.
· Der Züchter interessiert sich für die Haltungsbedingungen beim Käufer, rät ihm notfalls sogar vom Kauf ab, statt ihm ein Hund "aufzuschwatzen".
· Es gibt keine "Sonderangebote" oder Schnäppchen sondern Festpreise, der Qualität des Hundes entsprechend. Die Preise bewegen sich im Bereich anderer offizielle Züchter dieser Rasse.
· Sie erhalten einen detaillierten Kaufvertrag.
· Der Züchter zeigt Ihnen seine Zuchtanlage und die Räumlichkeiten.
· Sie dürfen die Zuchtdokumente - Elterntiere, Jungtiere und Zuchtstätte betreffend - einsehen. Die Dokumente sind keine "Eigenproduktionen", sondern sichtbar echt.
· Der Züchter bemüht sich im die jeweils bestmögliche Verpaarung und kann Ihnen aufschlussreich erklären, warum er genau diese Verpaarung durchgeführt hat.
· Der Züchter kann Ihnen ohne Zögern Auskunft geben, was er für die Verbesserung der Qualität seiner Rasse unternimmt. Fahrten zu weit entfernten Vatertieren, Zukäufe aus anderen Linien, Importe von Tieren, Vermeidung von häufigen Wiederholungsverpaarungen (Verbesserung der genetischen Breite der Rasse) sollten selbstverständlich sein.
· Der Züchter kann Ihnen schlüssig Auskunft über Anatomie, Wesen und ggf. Zuchtprobleme der Rasse geben.
· Alle Tiere des Züchters verhalten sich ihm gegenüber vertrauensvoll.
· Die erwachsenen Tiere und die Jungtiere zeigen keine ausgeprägte Angst Fremden gegenüber.
· Offizielle Züchter bieten nur Tiere mit Abstammungspapieren an. Wenn Sie zwischen "mit Papieren" und "ohne Papiere" wählen dürfen, hintergeht der Züchter die Bestimmungen seines Zuchtverbandes, der solche Optionen nicht vorsieht.
· Die Tiere sind eindeutig und unverwechselbar gekennzeichnet (Microchip) und Sie erhalten einen dazu passenden Impfausweis und die Abstammungspapiere. Achten Sie auf Fälschungen oder Korrekturen in den Papieren.
· Gute Züchter drängen nicht auf eine Entscheidung, sondern bieten Ihnen Zeit zum Überlegen an.
· Ordentliche Züchter können auch keine Welpen auf Bestellung liefern. Züchter, die Ihnen zig Rassen binnen kürzester Frist auf Bestellung liefern, sind Tierhändler. Hier werden meistens Tiere aus dubiosen Auslandszuchten billig beschafft und teurer veräußert. Es geht dabei nicht um Tiere, sondern nur um Profit! Überflüssige, nicht absetzbare Tiere werden genauso schnell "beseitigt", wie sie beschafft wurden. Unterstützen Sie diese Geschäfte nicht durch einen Mitleidskauf. Sie schaffen durch die vermeidliche "Rettung" nur Platz für das nächste bemitleidenswerte Geschöpf.
· Alle Tiere des Züchters müssen gepflegt und gut genährt sein. Jede Art von Mangelerscheinungen (schwache Knochen, aufgetriebene Bäuche, Verklebungen im Fell, stumpfes Haar, Parasiten, stinkende Ausscheidungen, Durchfall etc.) weisen auf Erkrankungen oder schlechtes Futter hin. Kaufen Sie solche Tiere auf keinen Fall !
· Jungtiere und erwachsene Tiere des Züchters zeigen ein arttypisches Temperament und eine entsprechende Bewegungsfreudigkeit.
· Der Züchter ist gern bereit, Ihnen auch nach dem Kauf des Tieres immer mit Rat und Tat beiseite zu stehen.
Hände weg beim Hundekauf, wenn :
· der Welpe günstiger angeboten wird, wenn Sie auf Papiere verzichten würden
· der Verkäufer den Hund nicht selbst gezüchtet hat
· die Mutterhündin nicht zu besichtigen ist
· der Welpe bei Übergabe unter acht Wochen alt ist
· der Welpe auf einem Parkplatz oder Ähnlichem übergeben werden soll
· ein Welpe Durchfall hat, abgemagert und allgemein ungepflegt ist
· ein Welpe extrem ängstlich und ermattet ist
Hunde zum "Schnäppchenpreis" besitzen selten Papiere eines anerkannten Hundeverbandes. Die Welpen stammen meist von Hinterhof-Vermehrern oder aus illegalen Auslands-Importen. Es wurde bei der Verpaarung der Elterntiere keinerlei Wert auf Gesundheit, Wesensfestigkeit, Sozialisation und andere züchterische Aspekte gelegt. Die Mutterhündin wird meist in katastrophalen hygienischen Umständen gehalten und fristet ihr trauriges Leben als Welpen-Wurfmaschinen; ihre Welpen werden weder entwurmt noch geimpft.
Nicht selten sind solche Welpen bereits krank, wenn sie dem Welpenkäufer übergeben werden. Viele leiden unter genetischen Defekten oder Infektionen, die bereits in den ersten Lebensmonaten zum Tod führen.
Der Kauf eines Welpen zum Dumping-Preis kann den Welpenkäufer teuer zu stehen kommen. Tierarztrechnungen von mehreren tausend Franken und oft ein viel zu kurzes, durch Krankheit schwer beeinträchtigtes Hundeleben, sind keine Seltenheit.
Also: Investieren Sie bitte ein paar Euro mehr für einen Hund aus einer seriösen Hundezucht - sparen Sie nicht an der falschen Stelle. Verzichten Sie - auch wenn es schwer fällt - auf Mitleidskäufe! Sie helfen dabei mit, unseriösen Hundehändlern das Geschäft zu verleiden - und leisten damit einen echten Beitrag zum Tierschutz. Darüber hinaus: Haben Sie nachweislich Kenntnis von einem unseriösen Hundehändler oder katastrophaler Hundehaltung, geben Sie diese Information an den Tierschutz weiter. Helfen Sie mit, skrupellosen Menschen das Handwerk zu legen.